Paralympic Games 2008

Es ist richtig, Buxtehude im Norden der Republik, ist meine Heimat. Dennoch bin ich seit Jahrzehnten bekennender Abonnent der Bayerischen Schützenzeitung.
So stieß ich im September 09 auf einen Bericht von Harald Hack über seine ganz persönlichen Eindrücke als Teilnehmer an den Paralympischen Spielen 2008 in Peking.
Ich war begeistert und der Wunsch, die Eindrücke über diese Website in die Welt zu bringen, war sofort da.
Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen und Mitarbeitern der Redaktion der BSZ für die sofortige Unterstützung dieser Idee und ihre Hilfestellungen.
Wie folgend aus der BSZ zu lesen ist die Veröffentlichung, selbst eines solchen, ganz persönlichen Berichtes, nicht ganz frei von rechtlichen Hindernissen und Stolperfallen.
Der ganz große DANK geht aber an Harald Hack!
Für seine Bereitschaft, seine Arbeit und das Vertrauen, das er mir bei meiner Anfrage entgegengebracht hat und uns so an seinen Paralympischen Spielen teilhaben lässt.
Danke Harald!


Hier die Einleitung zum Bericht in der Bayerischen Schützenzeitung Sept. 09
Olympische Spiele wie auch die Paralympics haben eigene Gesetze. Und der Kommerz schlägt bisweilen eigenartige Kapriolen. So sind Bilder von diesen Wettkämpfen in der Regel nur für teures Geld zu haben, eine eigene Akkreditierung ist unbezahlbar. Dann ist es gut wenn engagierte Sportler selber zur Kamera greifen. Allerdings dürfen Sportler und Funktionäre ihre Bilder nicht „zeitnah“ veröffentlichen. Deshalb haben wir uns entschlossen, etwas mehr Zeit als üblich nach den Paralympics des vergangenen Jahres vergehen zu lassen. Die persönlichen Impressionen von Spitzensportler Harald Hack sind aber dennoch aktuell und verdienen der Veröffentlichung. Wir bitten daher unsere Leser, diesen Beitrag ebenso aufmerksam zu lesen, auch wenn das Ereignis bereits vor einem guten Jahr stattfand. Denn bei den Paralympics gab es keinen befreundeten Journalisten, der uns ein paar Bilder oder ein paar Zeilen mehr als die Agenturberichte zukommen ließ, so wie wirs bei den Olympischen Spielen organisieren konnten. Deshalb geht ein besonderes Lob an Harald Hack, der nun seinen Bericht uns zugeleitet hat und auch eifrig fotografiert hat.
Dieser Bericht zeigt ein bisschen mehr die Hintergründe auf, die bei einem solchen Sportwettkampf das Geschehen bestimmt.

Harald Hack     
   
Jahrgang:  1966   
Beruf:  Dipl. Elektro-Ingenieur    
Verein:  Königlich privilegierte Hauptschützengesellschaft München von 1406 (HSG)   
Startklasse:  SH 1   
Disziplinen:  Luftpistole, Sportpistole, Freie Pistole, Mehrschüssige Luftpistole    
Internationale Erfolge:   2009 Grand Prix Frankreich, 1. Platz Luftpistole
2008 Paralympics, 9. Platz Sportpistole, 18. Platz Luftpistole und Freie Pistole
2007 Europameisterschaft, 2. Platz Mehrschüssige Luftpistole (Team)
2006 Weltmeisterschaft, 3. Platz Luftpistole (Team)  
 
     

Beijing 2008 – Paralympic Games mit chinesischer Perfektion

Beijing 2008 – Paralympic Games mit chinesischer Perfektion

 

Eine ganz persönliche Nachlese der 13. Paralympics von Harald Hack

 



Die paralympischen Spiele von Peking sind bereits geraume Zeit vorbei. Leider hat mich die Muse nicht früher geküsst, sodass ich erst jetzt diese Zeilen zu Papier bringe.

Wie bereits seit einiger Zeit üblich, fanden auch diesmal die Paralympics quasi im Gefolge der Olympischen Spiele statt. Nur wenige Tage nach deren Abschlussfeier trafen die ersten behinderten Sportler in Peking ein. Die Umdekoration der ganzen Stadt war noch im Gange. Warum das? Nun, die Paralympics werden von einer eigenen Organisation vertreten, dem IPC (International Paralympic Committee). Die Verwendung der olympischen Ringe ist daher tabu. Auch entlang der Stadtautobahnen mussten die schier endlos vielen Fahnen durch solche mit dem Symbol der Paralympics ersetzt werden.
Laut offizieller Statistik waren rund 4000 Teilnehmer aus aller Welt gekommen (Olympische Spiele ca. 17'000). 30'000 chinesische Volunteers mit mehrheitlich guten Englischkenntnissen kümmerten sich um den reibungslosen Ablauf. Einzelne von ihnen sprachen sogar fließend Deutsch und freuten sich über die seltene Gelegenheit zum Anwenden ihrer Sprachkenntnisse. Aber auch wer keine Fremdsprache ausreichend beherrschte, war sehr um uns bemüht.

Das Deutsche Team vor der Abreise 


Bei der Einkleidung

Begonnen hat unser Reisefieber bereits Anfang August, anlässlich der Einkleidung in der Kurmainzkaserne in Mainz.
Die veranschlagten zwei Stunden dehnten sich auf das Doppelte aus, weil jedes Kleidungsstück anprobiert werden musste. Insgesamt konnten wir rund 70 Teile in Empfang nehmen, hauptsächlich gesponsert durch Adidas, Bäumler und Sioux.
Trotz monatelanger Vorlaufzeit mit ausführlichen Angaben zu Konfektionsgrößen war bei manchen Stücken ein Umtausch erforderlich oder gar Nacharbeit beim Schneider zuhause.
An der Ausgabe wurde mir bestätigt, dass wir sozusagen die Überbleibsel aus der Olympia-Einkleidung bekommen. Es hat sich dennoch wohl jeder über die reichhaltigen Gaben gefreut.

Für das Gros der 170 Deutschen Sportler begann die Reise nach Peking mit der offiziellen Verabschiedung im Flughafen Frankfurt am Nachmittag des 29. August 08. Rund zehn Stunden dauerte der Flug mit Lufthansa. Kaum angekommen in Peking wurden wir von zahlreichen Helfern durch das Einreiseprozedere geleitet. Ein böses Erwachen gab es jedoch am Zoll. Obwohl im Vorfeld sämtliche persönlichen Daten und Details von Waffen und Munition mehrfach abgefragt worden waren, durfte nun alles erneut in chinesische Formulare eingetragen werden. Penibel wurden Waffennummern und Munitionsmenge kontrolliert. Die Athleten und Betreuer der anderen Sportarten hatten das paralympische Dorf längst erreicht, als wir Sportschützen das Flughafengebäude fast vier Stunden nach der Landung endlich verlassen durften. Das Gepäck wurde mit Lastwagen der China-Post ins Dorf transportiert, Waffen, Munition und Ausrüstung hingegen direkt zum Schießgelände.

Abschied in Frankfurt  angekommen  nun der Zoll  auf ins "Dorf" 

Dort fand tags darauf in der Waffenkammer eine erneute Registrierung statt. Jeder Schütze wurde fotografiert und seinen Waffennummern digital zugeordnet. Vom Kofferinhalt wurde ebenfalls ein Foto erstellt und bei jeder Rückgabe in die Waffenkammer mit dem aktuellen Zustand verglichen. Verschiedene Aufkleber mit Barcode und weiteren Nummern verzierten von nun an die Koffer. Ein- und Auslagern funktionierte nur noch im Tausch gegen „Hundemarken“ an Spiralbändern. Die Munition lagerte in einer anderen Kammer in Schließfächern. Auch hier war ein Wachposten vor der Tür. Der Zugriff erfolgte jedoch deutlich weniger bürokratisch.

Anschließend stand die eingehende Besichtigung der imposanten Anlage auf dem Programm. Bis zum Abend bekamen wir den Eindruck, hier werden wir mehr Wegstrecke zu Fuß zurücklegen als in Hochbrück.
Unsere Trainer Uwe Knapp, Manfred Gohres und Betreuer Peter Rechenberger, Andreas Dramaix hatten alle Hände voll zu tun. Die langen Wege erforderten einen aufwendigen Materialtransport zwischen Schießstand und Lager bzw. Aufenthaltsraum. Speziell die Gewehrschützen mit ihren Schießtischen und teils speziellen Rollstühlen mussten relativ viel Material bewegen.


Der Transport der Mannschaften zu den Sportstätten funktionierte weitgehend reibungslos. Vom Busbahnhof am Paralympischen Dorf fuhren Omnibusse ca. alle halbe Stunde zu den einzelnen Sportstätten. Im Niederflurbereich waren Sitze ausgebaut, um ausreichend Platz für die zahlreichen Rollstühle zu schaffen. Gesichert wurden diese durch Kunststoffkeile an den Vorderrädern. In den ersten Tagen fuhren die Busfahrer noch etwas zurückhaltend, wohl um die Rollis nicht unnötig in Schwierigkeiten zu bringen und selber Erfahrung zu sammeln. Von anfänglich 45 Minuten reduzierte sich die Fahrzeit zum Schießstand später auf etwa eine halbe Stunde. Den größten Teil der rund 19 km langen Strecke haben wir auf der Stadtautobahn verbracht, wo nach wie vor die linke der drei Spuren tagsüber für den Olympiaverkehr reserviert war. Einmal war die Autobahn auf der Rückfahrt zum Dorf überraschend leer, lediglich einzelne Polizisten standen auf den Begrenzungsstreifen. An den Auffahrten durfte kein Fahrzeug einfahren, nur die Busse mit den Athleten. Erst als uns eine Kolonne schwarzer Limousinen mit Spezialkennzeichen überholt hatte, wurde der normale Verkehr wieder freigegeben.


Bereits ab dem 1. September haben wir die Gelegenheit zum freien Training auf alle drei Distanzen wahrgenommen. Die freie Standwahl ermöglichte ein Training unter verschiedenen Lichtverhältnissen. Blenden und Überdachung auf den 25m- und 50m-Anlagen sind so montiert, dass kein direktes Sonnenlicht auf die Scheiben fällt. Einen ungleichmäßigen und wandernden Schattenwurf auf der Scheibe, wie er von zahlreichen anderen Schießständen bekannt ist, gibt es in Peking nicht. Lediglich die Grasfläche strahlt je nach Sonnenstand mehr oder weniger grell.
Für einen „Pistolero“ spielt das eine untergeordnete Rolle, weil der eigene Arm beim Zielen die meiste Grasfläche verdeckt.
(Bild links: 25-Meter-Scheiben)

In der Waffenkammer    Vor der Munitionskammer 
Bei der ersten Ankunft im Paralympischen Dorf wurden wir mit Sicherheitskontrollen wie am Flughafen konfrontiert.
Das Gepäck wurde durchleuchtet und wir selbst abgetastet.
Diese Prozedur mussten wir bei jeder Rückkehr ins Dorf mitmachen,
auch wer nur „schnell mal“ zur Post in der internationalen Zone marschiert ist.
Wer seine Akkreditierung – die gleichzeitig Einreisevisum war – nicht ständig mit sich trug,
hatte ein echtes Problem beim Versuch, ins Dorf zurückzugelangen.
Ein Gewehrschütze aus unseren Reihen musste eines Abends wie ein armer Sünder vor den Toren warten,
bis ihm ein Kollege die Akkreditierung brachte. 

Es gab gleich nach der Ankunft im Dorf dieselben Szenen, wie sie manchem Paralympicsteilnehmer aus Athen in Erinnerung sind: Kühlschränke und Fernseher wurden vor unseren Augen aus den Unterkünften entfernt, nicht nur aus den leer stehenden Apartments. Nur wenige Kühlschränke konnten weiterhin genutzt werden. Übertriebene Sparmaßnahmen? Fehlendes Sponsoring? Wer weiß....


Immerhin blieben uns die Bügeleisen. Die waren auch dringend nötig, da alles ungebügelt aus der Wäscherei kam. Beim Bügeln haben wir uns entsprechend arrangiert, weil nicht jeder gleich gut mit diesem Werkzeug hantieren konnte. Die Wäsche musste vorsortiert abgegeben werden, nach „light colour“ und „deep colour“. Jeder hatte deshalb zwei verschließbare Netze zur Verfügung. Innerhalb von 12 Stunden war die Wäsche wieder abholbereit, meist noch etwas feucht. Laut Auskunft des Personals werden alle Säcke sortiert in einen entsprechenden Bottich geworfen und dort mit Waschmittel und Wasser nur umgerührt. Ein Reinigungseffekt wie bei echten Waschmaschinen ist dabei natürlich nicht möglich. Die persönliche Kennzeichnung all meiner Kleidungsstücke hat sehr geholfen, als mehrere Netze aufgegangen waren und ich die Einzelteile aus dem großen Transportsack herausfischen durfte.
(links: Frank überlegt wo seine Wäsche sein könnte)

Die Nationen waren jeweils in den gleichen Apartments untergebracht, wie Wochen zuvor die Olympiateilnehmer, aufgrund der geringeren Teilnehmerzahl jedoch nur in den unteren Etagen. Die Stockwerksnummern beginnen in China bereits ebenerdig mit der 1. Eine leidlich verständliche Stimme im Aufzug erzählte auf Chinesisch und Englisch, welches Stockwerk man gerade erreicht hat. Im Eingangsbereich gab es zwei Getränkeautomaten, denen wir mit einem Schlüsselanhänger gratis die Softdrinks aus dem Hause Coca Cola entlocken konnten. Vorausgesetzt, es war nicht gerade mal wieder alles aus, was zum Glück nur zweimal vorkam. Dann half nur die Suche nach einem anderen Automaten. Letzte Möglichkeit war das Verpflegungszelt. Hier gab es immer genügend Reserve.

Das Verpflegungszelt war der Hit schlechthin, mit vermutlich mehr Fläche als in einem Münchner Oktoberfestzelt, aber 24 Stunden am Tag geöffnet. Eine reichhaltige internationale Auswahl an kalten und warmen Speisen vom Buffet, dazu Müsli, Salate, Brot, Früchte, Nachspeisen und sogar McDonalds haben uns täglich zur „Raubtierfütterung“ gerufen. Kaffee und Tee gab es am Automaten, kalte Getränke aus zahlreichen Kühlschränken. Zum Nachtisch konnte man auch leckeres Eis essen. Die chinesische Version des „Magnum“ war doppelt verpackt: in Folie eingeschweißt und zusätzlich im Karton. Die berüchtigten chinesischen Speisen wie „Skorpion am Spieß“ oder ähnliche Skurrilitäten gab es hier nicht. Dafür musste man schon in die Stadt gehen, auf einen der typischen Märkte in den Hutongs. Hauptnachteil des Zeltes war die Belüftung. Die Klimaanlage war meist auf „Kühlschrank“ eingestellt. Jedenfalls hielt ich es wegen der Zugluft ohne Jacke kaum aus zum Essen. Wohl nicht zuletzt deswegen haben sich einige von uns gleich in der ersten Woche eine anständige Erkältung eingefangen. Der Husten hielt bei mir noch Wochen nach der Rückkehr aus Peking an.

Im Verpflegungszelt   MC D. ist überall   Im Verpflegungszelt  



Die offizielle Begrüßung im Paralympischen Dorf fand am 3. September statt.
Im großen Rund des Mini-Amphitheaters wurden Geschenke zwischen dem Bürgermeister
des Dorfes und dem Vertreter des DBS getauscht, umrahmt von diversen Ansprachen.
Unsere offizielle Ausgehkleidung kam dabei zum ersten Mal zum Einsatz. 

Das paralympische Dorf war ein neu gebautes Stadtviertel, mit viel Grün zwischen den Häuserzeilen. Pavillons, Bäche und Teiche sorgten in den parkähnlichen Anlagen für Abwechslung. Kaum ein Weg verlief geradeaus. Zwischen den zahlreichen Bäumen und Sträuchern gab es Kunstwerke und die Wegbeleuchtung bestand aus hochmodernen Laternen mit Solarzellen und Batterie. Täglich sah man Arbeiter beim Reinigen der Laternen, beim Unkraut jäten oder ausbessern der Wege. Auf Ordnung wurde großen Wert gelegt.


Am Abend des 6. September fand die Eröffnungsfeier im Vogelnest (National Stadium) statt. Generalstabsmäßig war der Transport aus dem Dorf zum Stadion organisiert. Die Nationen waren auf Busse verteilt, die in mehreren Reihen auf der Hauptstraße im Dorf bereitstanden. Vor dem Stadion gab es für jeden ein Verpflegungspaket, wegen der Wartezeit bis zum Einmarsch. Im Gegensatz zu den Olympischen Spielen dauerte es nicht lange, denn wir durften bereits zu Beginn der Veranstaltung einmarschieren. Lediglich die laufende Nummer 143 für das deutsche Team bremste unseren Elan etwas. Nach uns kam nicht mehr viel. Und obwohl drittgrößte Delegation bei den Paralympics, waren wir im Deutschen Fernsehen leider kaum zu sehen. Zahlreiche Fans hatten zuhause vergeblich vor den Bildschirmen ausgeharrt.
(Bild: vor dem Stadion)

Die Deutsche Delegation

auf der Eröffnungsrunde 


Die Olympische Flamme ist im Stadion


Die Eröffnungsfeier selbst war sehr imposant. Alle Teilnehmer und Zuschauer im Stadion erhielten eine Tasche mit verschiedenen Utensilien, welche im Verlauf des Programms zum Einsatz kommen sollten. Ähnlich den Animateuren in Clubhotels gab es zahlreiche Volunteers, auf deren Kommando wir Tücher, Lampen und Fahnen schwenken sollten. Dieser Aufwand hat sich gelohnt, denn erst durch den koordinierten Einsatz des Zubehörs kam die richtige Stimmung im Stadion auf.


Manche Sportler haben sich die Eröffnungsfeier verkniffen, starteten sie doch am nächsten Tag zu den ersten Wettbewerben. Wir Schützen nahmen geschlossen daran teil. Der Rücktransport am Ende der Veranstaltung verlief so zügig, dass auch die Frühaufsteher noch ausreichend Schlaf bekamen.

  Im Internetcafe  Ein PC-Bildschirm 
Auf meine Emailadresse bei Freenet hatte ich in den diversen Internetcafes im Dorf leider keinen Zugriff.
Die ganze Seite ließ sich nicht aufrufen.
Deutsche Sicherheitsbeauftragte hatten uns vor Ort über allgemeine Verhaltensregeln informiert und dabei auch erwähnt,
dass sämtliche Internetseiten mit „verdächtigen“ Stichworten wie „free“ oder „tibet“ von den Chinesen gesperrt waren.
Die Seiten unserer Tageszeitungen ließen sich hingegen problemlos aufrufen, sodass wir nicht ganz uninformiert blieben.
Die englischen Tastaturen mit fehlenden Umlauten und teils anderer Tastenanordnung waren allerdings für Ungeübte etwas mühsam zu bedienen.  



Die sogenannte Internationale Zone war das Bindeglied zwischen dem Athletendorf und der Außenwelt. Hier gab es unter anderem Post, Bank, Friseur und einen Souvenirladen mit reichhaltigem Sortiment an diversen, teils kitschigen Andenken. Manche T-Shirts waren speziell in den Europäischen Konfektionsgrößen schon in den ersten Tagen ausverkauft. Daneben entwickelten sich in dieser Zone rege Aktivitäten beim Tauschen von Pins unter den Athleten und mit Außenstehenden. Die Anstecker waren auch gerne gesehenes „Trinkgeld“ bei den Volunteers.


Am Tag vor der Eröffnungsfeier startete die Ausrüstungskontrolle in der Schießhalle. Mit der großen Anzahl zu kontrollierender Gegenstände hat das Organisationskomitee wohl nicht gerechnet. Anfangs wurden alle Teile (Schuhe, Schießbrille, etc.) mit Kontrollaufklebern versehen. Später, als die Aufkleber langsam knapp wurden, hat man sich auf das Bekleben der Waffen beschränkt.

Spezielles Augenmerk wurde auch auf Werbung gelegt. Grundsätzlich dürfen nur offizielle Sponsoren der Paralympics zu sehen sein. Und es gibt diverse Vorschriften, wie groß Markenzeichen sein dürfen. So fehlten beispielsweise die berühmten drei Streifen auf unserer Kleidung. Diese gelten als Markenzeichen und überschreiten locker die zulässigen 20 cm2 pro Kleidungsstück. Kurioserweise waren sogar die Embleme auf den Händetrocknern in den Waschräumen abgeklebt.

Anfangs konnten wir fast beliebig trainieren, sofern auf den Schießanlagen Platz frei war. Dann begann der offizielle Teil. Jeweils zwei Tage vor einem Wettkampf fand das „Official Training“ statt, mit festgelegten Zeiten für die entsprechende Disziplin, aber noch mit freier Standauswahl. Am Tag vor dem Wettkampf war das „Pre-Event Training“, meist am Nachmittag, ebenfalls mit Zeitbeschränkung, aber bereits auf dem gleichen Stand, an dem man am folgenden Vormittag zum Wettkampf antrat. Kurz nach dem eigentlichen Wettkampf fand für die besten acht Schützen das jeweilige Finale in der benachbarten Finalhalle statt.

Von den zehn Deutschen Sportschützen kamen fünf aus Bayern: Norbert Gau (FSG Der Bund, München), Harald Hack (HSG München), Doris Kustner (SV Schönhaid), Josef Neumaier (SV Wacker Burghausen) und Simon Voit (SG Obing). Unsere Medaillenausbeute war in etwa so, wie man es realistisch erwarten konnte. Während bei uns nur Hobbysportler an den Start gingen, bestand gerade die Konkurrenz aus Osteuropa und Asien aus Vollzeitsportlern. Dort hat man bereits vor Jahren erkannt, dass auch im Behindertensport exzellente Leistungen nur bei ausreichender Förderung erreicht werden. Entsprechend intensiv können sich die Sportler auf die Wettbewerbe vorbereiten. Das sah man deutlich an den Ergebnissen. Mit Ringzahlen, die beispielsweise in Athen bei der Freien Pistole noch aufs Treppchen gereicht haben, wurde jetzt in Peking nicht mal mehr das Finale erreicht.

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Die Wettkämpfe

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Vor diesem Hintergrund sind die beiden Silbermedaillen von Manuela Schmermund (SG Mengshausen) und Norbert Gau, sowie die Finalplätze von Michael Brengmann (SV Hambuch) und Josef Neumaier im Luftgewehr umso höher zu bewerten. Simon Voit zeigte mit dem KK-Gewehr seine persönliche Bestleistung, schlitterte dennoch knapp am Finale vorbei. Sabine Brogle (BSG Offenburg) fand sich im Mittelfeld wieder. Wir Pistolenschützen waren hinsichtlich Medaillen etwas weniger glücklich. Zwar hatte ich drei Starts, erreichte jedoch zweimal nur das Mittelfeld und verfehlte einmal knapp den Einzug ins Finale. Da war es ein schwacher Trost, dass ich wenigstens meine beiden Teamkollegen Frank Heitmeyer (SSG Wittlage) und Manuel Krüger (SV Bad Dürrenberg) bei unseren beiden gemeinsamen Starts übertrumpfen konnte. Doris Kustner war richtig im Pech. Bei ihrer Luftpistole hatte sich im Laufe der ersten Trainingstage ein ungleichmäßiges Abzugsgewicht eingeschlichen, das vor Ort nicht zu reparieren war. Dabei war die Pistole erst wenige Wochen zuvor generalüberholt aus dem Werk gekommen. So bestand Doris zwar die Waffenkontrolle, wurde jedoch per Losentscheid nach dem Wettkampf noch mal kontrolliert. Der Abzug war dann außerhalb der Toleranz, was zur Disqualifizierung führte. Alle Ergebnisse im Einzelnen sind den offiziellen Listen zu entnehmen.

Die beiden Silbermedaillen

Manuela Schmermund   Norbert Gau  


Zuschauen bei den Schießwettbewerben war sehr spannend, weil alle Resultate gut zu sehen waren auf den Anzeigen über den Schützen bzw. auf den projizierten Ranglisten. Entsprechend gut besucht waren sämtliche Wettkämpfe. Die Finals setzten dem jedoch noch einen drauf, vor allem bei chinesischer oder koreanischer Beteiligung. Diese beiden Fangruppen waren am zahlreichsten vertreten und bejubelten ihre Schützen dementsprechend lautstark. Überhaupt war es für mich überraschend, wie viele Zuschauer wegen uns gekommen waren. Vor so viel Publikum sind wir zuvor noch nie angetreten. Es waren auch ganze Schulklassen in einheitlicher Kleidung dabei, ein für uns ungewohnter Anblick.

Am Abend des ersten Wettkampftages fand der offizielle Empfang in der Deutschen Botschaft statt. Das Gebäude war teilweise von einem Künstler in blaue und weiße Plastikfolie gehüllt. In der Dunkelheit strahlten die Farben dank entsprechender Beleuchtung. Es gab sehr gut und reichlich zu Essen sowie einige Ansprachen, z.B. von Bundespräsident Horst Köhler. Manche der Ansprachen wurden ins Chinesische übersetzt, weil außer uns Sportler auch die lokale Prominenz aus Politik und Wirtschaft vertreten war. Tanzeinlagen chinesischer Künstler rundeten das Programm ab.

Bezüglich Witterung konnten wir uns die ganzen drei Wochen nicht beschweren. Zwar gab es ein paar Regentage und solche mit Dunst bzw. etwas ähnlichem wie Hochnebel. Meistens lachte jedoch die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Vom berüchtigten Peking-Smog war weit und breit nichts zu bemerken. Das lag sicher auch daran, dass für die Paralympics die gleichen Einschränkungen in Verkehr und Industrie galten wie bei den Olympischen Spielen. Die Tagestemperaturen waren deutlich angenehmer als in den Wochen zuvor.


Platz des Himmlischens Friedens im Zeichen der Paralympic-Games


Ausflüge haben wir uns nur wenige gegönnt. Die ersten beiden Wochen waren geprägt von Training und Wettkämpfen. Einmal haben wir das Experiment einer U-Bahn-Fahrt zum Platz des Himmlischen Friedens durchgeführt. Am Schalter erhielten wir Gratis-Fahrkarten und eine ausführliche Erklärung, welche Linien wir nehmen und wo umsteigen sollten. Die U-Bahn zum Olympiagelände ist die neueste Linie in Peking. Dementsprechend modern ist die Ausstattung mit Lift, klimatisiertem Bahnsteig und einer gläsernen Trennwand zum Gleis. Deren Türen befinden sich genau auf Höhe der Wagentüren und öffnen mit diesen gleichzeitig.
An den Umsteigehaltestellen wurde uns klar, warum wir eine so genaue Routenbeschreibung erhielten. Bei der Einfahrt warteten am Bahnsteig bereits Helfer mit mobilen Rampen zum Ausladen der Rollstuhlfahrer. Wir wurden umgehend zur anderen Linie geleitet. Wo keine Aufzüge waren, gab es meist Treppenlifte. Von anderen Ausflüglern wurde auch berichtet, dass die Rollis bei Stationen ohne technische Hilfen einfach von ein paar Chinesen über die manchmal recht langen Treppen getragen wurden.


Hier wurden wir zur Sehenswürdigkeit

Am Platz des Himmlischen Friedens war halbwegs was los. Als wir – ein halbes Dutzend deutsche Sportler in einheitlicher Trainingskleidung – über den Platz schlenderten, wurden wir selber zur Sehenswürdigkeit. Immer wieder kamen Chinesen auf uns zu, setzten ihre Kinder den Rollifahrern auf den Schoß und ließen sich mit uns fotografieren. Der Platz selber war dekoriert im Zeichen der Paralympics. In der Mitte prangte das Logo der Spiele und drehte sich langsam um die eigene Achse. Überall standen Wachposten und an den Laternenmasten waren Videokameras montiert.

Bei einbrechender Dunkelheit sind wir mit dem Taxi zurückgefahren. Das hat nicht mal die halbe Zeit gedauert im Vergleich zur U-Bahn. Umsteigen mit mehreren Rollis ist eben etwas zeitaufwändig. Leider wurde bei den Taxis ab und zu die Erfahrung gemacht, dass Rollis nicht mitgenommen werden. War es Angst vor dem Umgang mit Behinderten? War es bei Einzelnen vielleicht sogar Ablehnung? Mangels ausreichender Sprachkenntnis werden wir es nie erfahren. Durch die Tabuisierung behinderter Menschen in der chinesischen Gesellschaft mangelt es der Bevölkerung generell an Erfahrung im Umgang mit unsereins. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verwunderlich, welch großer Stellenwert in der chinesischen Öffentlichkeit den Paralympics beigemessen wurde.


Empfang bei VW

Auf dem Weg vom Dorf zum Stadion befand sich das Ausstellungsgelände, mit zahlreichen Gebäuden von Coca Cola, China Mobile, Samsung, etc., eben den Hauptsponsoren der Spiele. Wir haben uns auch bei der Volkswagen-Gruppe umgeschaut und wurden prompt in den VIP-Bereich eingeladen. Bei Currywurst mit Pommes konnten wir die allabendliche Show im Außenbereich genießen. Den Medaillengewinnern wurde ein mit chinesischen Motiven bedrucktes Beetle-Modell überreicht. Auch bei manch anderen Firmen gab es extra Bereiche für die Athleten, zum Glück meist mit Sitzgelegenheiten, denn das Gelände war doch sehr weitläufig. Ein zweistöckiger McDonalds durfte hier natürlich nicht fehlen, ebenso wie ein unerwartet großer „Super-Store“ mit einer vielfältigen Auswahl an olympischen und paralympischen Souvenirs.

Gerne hätten wir spontan die eine oder andere Sportveranstaltung besucht. Das war jedoch auch für uns Athleten nur mit Eintrittskarten möglich, immerhin gratis. Aus einem kleinen Kontingent mussten wir etliche Tage im Voraus die Karten bestellen. Man wusste dann bis am Tag vor der Veranstaltung nicht, ob man eine Karte bekommt. Außerhalb der Wettbewerbe gelang es uns auch so, wenigstens für ein paar Fotos ins Vogelnest und in die Schwimmhalle zu gehen. Die Architektur ist recht eindrücklich. Lediglich die etwas lässige Bauweise stimmt nachdenklich. Hier und da bröckelt bereits der Beton oder rosten Geländer vor sich hin.

Am 15. September unternahmen wir Schützen einen Ausflug zur großen Mauer. Mit ein paar Taxis, die extra für diese Tour vorbestellt waren, kamen wir schnell und bequem die rund 70 km ins Gebirge nach Badaling, dem bekanntesten Touristenort an der Mauer. Die ersten Bereiche nach dem Eingang sind weitestgehend barrierefrei ausgebaut, mit Rampen und einem Lift. An einer kleinen Treppe standen wieder ein paar Helfer parat, um Rollis die sieben Stufen hoch zu tragen, mitten im Besucherstrom. Doch weit kommt man dann nicht. Die Mauer folgt der Topografie mit teils enormer Steigung, ergänzt mit Wachtürmen. Nur Fußgänger kamen weitgehend problemlos voran. Zu beiden Seiten der Mauer gibt es einen Handlauf, der jedoch in chinesischer Normhöhe montiert war, also knapp über unseren Kniekehlen. Lediglich auf den ganz steilen Treppen war sozusagen als Kletterhilfe auch in der Mitte ein Handlauf angebracht, diesmal passend für uns „Langnasen“. Die Neugier hat mich relativ weit vorangetrieben und die Aussicht hat für die Mühen entschädigt. Doch auch an den folgenden Tagen haben mich Sonnenbrand und Muskelkater stets an diesen Ausflug erinnert.  


Die Rückfahrt von Badaling führte uns geradewegs zum Pearl Market, einem „Souvenir-Kaufhaus“ südlich des Hauptbahnhofs. Auf acht Etagen über und unter der Erde ist eine unüberschaubare Vielfalt an Schmuck, Kleidung, Spielzeug, Unterhaltungselektronik und klassischer chinesischer Souvenirs verteilt. Es sind sozusagen lauter kleine Läden im Laden. Jeder Verkäufer versucht, seine Ware als besonders gut und günstig anzupreisen. Klar, dass die Preise überteuert sind und Handeln zwingend erforderlich ist. Ich kannte diese Art der Märkte bereits aus Indien und konnte daher in Norbert Gau’s „Windschatten“ den Spaziergang durch die Reihen der Geschäfte einfach nur genießen. Nach ausgiebigem Rundgang war noch etwas Zeit bis zur gemeinsamen Rückfahrt. So erkundete ich draußen die Umgebung und fand – wie sollte es auch anders sein – nach wenigen Metern die bayerischen Schützen im „Biergarten“. Zwar war es ein normales Straßencafe, aber eben mit Weißbier aus der Heimat. So ließ sich die Wartezeit sehr gut überbrücken.
(Links: Pearl Market)

Es kam der Tag der Schlussfeier.

Diesmal wurden wir nach der bekannten Brotzeit auf dem Stadionvorplatz zügig in die Katakomben des Vogelnests geleitet, mussten dort aber knapp eine Stunde warten. Hier sah ich zum ersten Mal einen Reisebus, der innen nur mit Toiletten bestückt war.

Beim Einmarsch durften wir direkt auf unsere Plätze gehen, ohne eine Runde durchs Stadion. Eine Tasche mit „Festzubehör“ gab es auch diesmal, mit leicht anderem Inhalt. So konnte beispielsweise jeder einen persönlichen Gruß auf vorfrankierter Postkarte direkt im Stadion absenden.

Die Feier war wie schon bei der Eröffnung ein wohldurchdachtes Spektakel. Gegen Ende präsentierte sich London von seiner musikalischen Seite. Wer Wochen zuvor die Schlussfeier der Olympischen Spiele im Fernsehen gesehen hatte, konnte erkennen, dass die Briten einen Bogen von den olympischen zu den paralympischen Spielen gespannt hatten. Im August war der Doppeldeckerbus geschlossen ins Stadion gefahren. Das Oberdeck wurde aufgeklappt und eine darin versteckte Band begleitete die Tanzshow um den Bus, bevor dieser das Stadion offen verließ. Bei uns kam der Bus offen herein und fuhr nach der Tanzeinlage geschlossen wieder hinaus. Das lässt hoffen, dass die Paralympics zukünftig immer weniger nur als Anhängsel zu den Olympischen Spielen gesehen werden.

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Die Schussfeier der Paralympic Games 2008

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Wie viele von uns, so habe auch ich die Schlussfeier wesentlich intensiver wahrgenommen als die Eröffnungsfeier. Vermutlich lag es daran, dass die Wettkämpfe vorbei waren und wir die Show in aller Ruhe genießen konnten. Bedauerlicherweise gab es keine offizielle DVD von der Schlussfeier. So bleiben mir wohl nur Fotos und die schöne Erinnerung daran. Aber auch beim Betrachten der Bilder sind feuchte Augen kaum zu vermeiden.

In der folgenden – letzten – Nacht in Peking war an Schlaf kaum zu denken. Es fand die bekannte Tauschbörse im paralympischen Dorf statt. Alle Sitzgelegenheiten in den Grünanlagen waren zu Flohmarkttischen mutiert. Nicht nur die Volunteers waren scharf auf Nationalkleidung, auch unter den Athleten gab es einen regen Tauschhandel.
Einen Vorteil hatte, wer dieses System schon kannte und sich von zuhause ausreichend Trikots mit dem Bundesadler oder von deutschen Fußballclubs mitgebracht hatte.

Am 18. September früh um sieben musste das Gepäck draußen parat stehen für die Verladung auf Lastwagen. Dann konnten wir zum Frühstück gehen, bis um acht die Busse zum Flughafen fuhren. Die Waffen wurden vom Schießstand direkt zum Flughafen gebracht. Mich erstaunt noch heute, wie dieser Transport so gut funktioniert hat, bei all den unterschiedlichen Abflugzeiten der Nationen. Allerdings haben wir wieder etliche Zeit am Zoll verbracht. Unsere überzählige Munition blieb vorsichtshalber bereits am letzten Wettkampftag als „Spende“ in der Schießhalle zurück, damit der bürokratische Aufwand beim Heimflug nicht zu groß wird. Zehn Flugstunden später hatten wir wieder heimatlichen Boden unter den Füßen. Am Münchner Flughafen gab es für die bayerischen Sportler einen Empfang vom Behinderten und Versehrtensportverband Bayern (BVS Bayern), mit Prominenz aus der Landespolitik.

Eine Nachbetrachtung

Die drei Wochen Peking sind nicht spurlos an mir vorübergegangen. Es war eine sehr schöne Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Dafür hat sich der hohe Trainingsaufwand die Monate und Jahre zuvor mehr als gelohnt. Doch unter den gleichen Voraussetzungen ist für mich persönlich eine Teilnahme 2012 an den Paralympics in London unrealistisch. Mehr Trainingsaufwand wäre vor Peking nicht möglich gewesen. Bis zum Tag vor meiner Abreise habe ich Vollzeit gearbeitet und seit etlichen Monaten die ganze Freizeit nur fürs Training verwendet. Seit Ende 2005, meiner Aufnahme in die Nationalmannschaft, stand auch der komplette Jahresurlaub im Zeichen von Training und Wettkämpfen. Ein normales Privatleben bleibt da völlig auf der Strecke. Ohne Verringerung der Arbeitszeit auf Teilzeit mindestens während der letzten zwölf Monate vor den Spielen ist ein vernünftiger Trainingsaufwand mit Aussicht auf Medaillen einfach nicht zu bewerkstelligen.

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Ein Bestandteil der Erinnerungen: Das Team, die Kampfrichter und die Helfer

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Dennoch versuche ich, mich im Laufe der nächsten drei nicht-olympischen Jahre erneut für die Paralympics zu qualifizieren, um dann 2012 meinen Platz der Mannschaft zur Verfügung zu stellen. Auf solche „Quotenplätze“ sind wir dringend angewiesen. Es engagieren sich immer mehr Nationen im Behindertensport, die verfügbare Anzahl Startplätze vor Ort bleibt jedoch gleich. Der Schlüssel für die Zuteilung wird daher immer schlechter, sodass wir nur mit möglichst vielen Quotenplätzen gegensteuern können. Andere Nationen, wie beispielsweise Korea, praktizieren dies schon länger erfolgreich.

Den behinderten Sportlern, vor allem den Jüngeren, kann ich nur raten, sich bei Interesse am Leistungssport frühzeitig um die Aufnahme in die Nationalmannschaft zu bemühen. Neben den Paralympics gibt es zahlreiche nationale und internationale Meisterschaften, auf denen man sich mit hochrangigen Sportlern aus der ganzen Welt messen kann. Das Gesellschaftliche kommt dabei auch nicht zu kurz.

Dann auf ein Wiedersehen 2012 in London 


Zum Schluss möchte ich mich hiermit bei Allen bedanken, die mich auf dem langen Weg nach Peking unterstützt haben, sei es finanziell oder auch organisatorisch.  
Harald Hack 



Weitere Informationen:
Abteilung Sportschießen im Deutschen Behintertensportverband

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