Gedanken des 1. Vorsitzenden

Zukunft des Post SV Buxtehude

1. Abschied vom traditionellen Sportverein

1.1 Einführung
Die Entwicklung bei den Sportvereinen geht vom traditionellen Sportverein hin zum Sportverein als Dienstleister.
Dies bedeutet, dass der Sportverein in Zukunft keine soziale Gemeinschaft mehr sein wird, die über den Sport hinaus eine Gemeinschaft weit in den privaten Bereich hinein bildet, z.B. durch gemeinsame Feiern, Reisen und sonstige gemeinsame Unternehmungen, sondern der Sportverein wird zukünftig als Dienstleister nur noch für den Sport auftreten.
Zukünftig werden sich die Mitglieder daher nur noch für die Qualität und den Preis des jeweiligen Sportangebots interessieren und sich das jeweils günstigste Angebot aussuchen.
Eine Treuebindung wie im traditionellen Sportverein wird es daher nicht mehr geben.
Dies wird folgende Konsequenzen mit sich bringen:
(1) Das Sportangebot muss qualitativ gut, attraktiv und preisgünstig sein (Qualitatives Sportangebot)
(2) Hohe Zahl an Austritten und Eintritten (Mitgliederfluktuation)
(3) Die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Tätigkeit wird deutlich zurückgehen (Professionalisierung der Aufgaben)
(4) Erhöhung der finanziellen Aufwendungen


2.2 Die Konsequenzen im Detail

2.2.1 Qualitatives Sportangebot
Ein qualitativ gutes Sportangebot hängt in erster Linie von folgenden Faktoren ab: Zum einen von der Qualität der Sportflächen und – geräte (hierzu siehe unten 2. Teil) und zum anderen von der Motivation sowie von der organisatorischen und sportlichen Professionalität der jeweiligen Spartenleitung, der Trainer und Übungsleiter.
Entscheidend für die Professionalität sind eine herausragende Ausbildung und eine ständige Fort- und Weiterbildung sowie eine angemessene, wettbewerbsfähige Bezahlung.

In zweiter Linie hängt das qualitative Sportangebot von der Angebotsstruktur des Vereins ab, die ihm im Vergleich zu den anderen Vereinen die erforderliche Attraktivität und das notwendige Profil verleiht. Dabei ist festzustellen, dass bestimmte traditionelle Sparten aufgrund mangelnden Nachwuchses zurückgehen werden, insbesondere Faustball, Leichtathletik und Kegeln, andere, neuartige hingegen einen deutlichen Aufwind erfahren, z.B. American Football, Cheer Leading, Gesundheitssport, Reha-Sport, Seniorenturnen, Triathlon, Walking und Wandern. Dies ist im Wesentlichen auf folgende Trends zurückzuführen:
-- Viele Jugendliche und Jüngere interessieren sich weniger für bestimmte traditionelle Sportarten, z.B. Faustball, Leichtathletik und Kegeln, daher fehlt es ihnen auch an Nachwuchs. Gefragt sind vielmehr neue, Trendsportarten, die teilweise erst in den letzten dreißig Jahren entstanden sind, also American Football, Cheer Leading, Triathlon und Walking.
-- Die Überalterung der Gesellschaft, die sich auch auf den Verein auswirkt, lässt ein neues, nur für Senioren bestimmtes Sportangebot entstehen. Typisch für viele dieser Senioren ist, dass sie erst wieder als Ältere mit Sport anfangen. Daher kommen sie für die traditionellen Sportarten, die ein kontinuierliches Training über Jahre hinweg abverlangen, z.B. Leichtathletik, nicht in Frage. In Frage kommen vielmehr altersgerechte Sportarten wie Seniorenturnen, Gesundheitssport, Gymnastik für Frauen und Wandern.
-- Das zunehmende Gesundheitsbewusstsein schafft eine hohe Nachfrage in folgenden Bereichen: Reha-Sport, Präventions- und Gesundheitssport. Für den Reha-Sport ist besonders hervorzuheben, dass in diesem Bereich keine Mitglieder Sport treiben, sondern lediglich Teilnehmer.


Bei der Erarbeitung eines attraktiven Profils muss diesen Trends Rechnung getragen werden. Dabei ist stets zu berücksichtigen, dass es ohne Kinder- und Jugendarbeit nicht gehen kann, weil ansonsten der Verein seine Zukunft verliert. Allein auf Senioren und ein steigendes Gesundheitsbewusstsein kann ein zukunftsfähiger Verein nicht aufbauen. Jugend- und Kinderarbeit finden, wenn auch im unterschiedlichen Umfange, in den Sparten Fußball, Förderturnen für Kinder und Kinderturnen, Judo, Schießen, Speedminton, Tamburello und Tischtennis statt.


Zusammenfassung:
Ein attraktives Sportangebot beruht auf folgenden Faktoren:
-- Gute Ausbildung und eine ständige Fort- und Weiterbildung sowie eine angemessene, wettbewerbsfähige Bezahlung.
-- Attraktives Profil des Sportangebots


2.2.2 Mitgliederfluktuation

Die Überalterung des Vereines spiegelt den gesellschaftlichen Trend wieder. Laut Statistik vom Stand Dezember 2006 sind 32% der Mitglieder 61 Jahre und älter.
In zehn Jahren werden es aller Voraussicht nach mindestens 40% sein. Hierbei handelt es sich noch ganz überwiegend um Vereinsmitglieder, teilweise um langjährige Mitgliedschaften. Hinzukommen jedoch mehr und mehr Senioren, die wieder im Alter Sport treiben möchten. Auf diesen Trend habe ich schon hingewiesen.
Ob und inwieweit sich die Überalterung negativ auf die Mitgliederentwicklung auswirken kann, konnte nicht verifiziert werden. Zum einen ist angesichts der grundsätzlich hohen Lebenserwartung keine genaue Prognose über den natürlichen Schwund bei den älteren Mitgliedern möglich. Hinzukommt noch, dass durch ein spezielles Seniorenangebot wieder neue Mitglieder hinzugewonnen werden können und in der Regel gerade die langjährigen älteren Mitglieder dem Verein die Treue halten.

Die Überalterung kann jedoch eine negative Folge haben. Sie kann dazu führen, dass aufgrund der Mehrheitsverhältnisse zugunsten der Älteren die Interessen der Jüngeren vernachlässigt werden.

Auf jeden Fall muss angesichts des schon angesprochenen Wechsels zum Dienstleistungsverein davon ausgegangen werden, dass die Mitglieder häufig wechseln. Dieser häufige Wechsel verursacht ein deutliches Mehr an Verwaltungsaufwand.


Zusammenfassung:
-- Die Überalterung hat keine nennenswerten negativen Auswirkungen auf den Mitgliederbestand. Sie kann aber zu einer Überrepräsentierung dieser Altersgruppe zum Nachteil der Jüngeren führen.
-- Die hohe Fluktuation hat einen höheren Verwaltungsaufwand zur Folge.


2.2.3 Professionalisierung der Aufgaben

Der deutliche Rückgang zur Bereitschaft der Übernahme ehrenamtlicher Funktionen hat weit reichende Konsequenzen. Er betrifft nicht nur den Vorstand, sondern auch die einzelnen Abteilungen. Gegen diese Entwicklung hat es bisher trotz aller Bemühungen keine Mittel gegeben. Im Ergebnis bleibt dem Verein, sofern er weiter bestehen möchte, nichts anderes übrig, als die ehrenamtlichen Aufgaben professionell Tätigen zu übergeben. Dies führt allerdings zu erheblichen Mehrausgaben, z.B. im Vorstand durch die Beauftragung eines Steuerberaters für die Tätigkeit des Kassenwarts, die Beauftragung einer Werbeagentur zur Erstellung und Pflege der Webseite oder z.B. die Einstellung eines berufsmäßigen Trainers in einer Sportabteilung.


Zusammenfassung:
Der Rückgang der ehrenamtlichen Tätigkeit hat eine Übernahme dieser Aufgaben durch professionell Tätige zur Folge, was zu einer deutlichen Erhöhung der finanziellen Aufwendungen führen wird.


2.2.4 Erhöhung der finanziellen Aufwendungen

Die vorgenannten Entwicklungen haben eine deutliche Erhöhung der finanziellen Aufwendungen zur Folge. Die Gründe lassen sich wie folgt zusammenfassen.
-- Aufwendungen für die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Trainer und Übungsleiter
-- Aufwendungen für eine angemessene, konkurrenzfähige Bezahlung der Trainer und Übungsleiter
-- Aufwendungen für Verwaltungsaufwand durch Mitgliederfluktuation
-- Aufwendungen für die Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeit durch Professionelle
Die Höhe dieser Aufwendungen ist schlecht zu prognostizieren, sie liegen allein bei der Übernahme der ehrenamtlichen Tätigkeit durch einen Steuerberater bei ca. 2000 € (ohne Finanzbuchhaltung), für die Webseite bei ca. 1200 € und beim Vereinsheft ebenfalls bei ca. 1200 €, insgesamt ca. 4400 €. Sofern die Übungsleiter und Trainer durchschnittlich 5 € mehr im Monat erhalten, macht dies im Jahr Mehrausgaben von ca. 2400 € aus. Der Mehraufwand für eine Verbesserung der Aus-, Weiter- und Fortbildung kann mit ca. 2000 € jährlich beziffert werden. Die Aufwendungen infolge der Mitgliederfluktuation lassen sich zur Zeit schwer bemessen. Insgesamt errechnet sich eine Mindestmehrausgabe von jährlich 8800 €.

Diese Aufwendungen können nur durch Mehreinnahmen und Minderausgaben aufgefangen werden. Hierzu bedarf es ggf. einer Kooperation mit anderen Vereinen (siehe unten Teil 2).



2. Rückzug der Stadt und des Staates aus der Finanzierung der Sportanlagen und -geräte

Der Rückzug der Stadt und des Staates aus der Finanzierung der Sportanlagen und –geräte macht sich schon deutlich bemerkbar. Hier muss nur auf das Jahnstadion hingewiesen werden.

Es wäre eine falsche Einschätzung, wenn die Sportvereine davon ausgingen, dass dieser Rückzug wieder umkehrbar wäre. Nur durch ein entschiedenes Auftreten aller betroffenen Vereine gegenüber der Politik kann erreicht werden, dass in Buxtehude auch in Zukunft noch Sport betrieben werden kann. Diese Entschiedenheit setzt zum einen gemeinsames Handeln der Sportvereine und zum anderen eine Mitfinanzierung der Renovierung und Unterhaltung der Sportanlagen voraus. Eine andere Alternative gibt es nicht, es sei denn, es wird eine deutliche Verschlechterung der Sportmöglichkeiten in Buxtehude in Kauf genommen.

Gemeinsames Handeln der Sportvereine verlangt eine gemeinsame Organisationsform, durch welche sich die Vereine als eigenständige Kraft organisieren, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Vorgeschlagen wird eine Verbandsorganisation, d.h. die Vereine bleiben rechtlich selbstständig, übertragen aber bestimmte Aufgaben zu selbstständigen Wahrnehmungen an einen Verband, in welchem sie gleichzeitig Mitglieder sind.

Selbstständig wahrzunehmende Aufgaben können beispielsweise die Finanzierung und Unterhaltung von Sportanlagen sein, aber auch die Zur-Verfügung-Stellung von Webseiten, Pressearbeiten und redaktionellen Arbeiten für Vereinshefte.

Die Aufwendungen für die Mitfinanzierung und Unterhaltung von Sportanlagen hat Mehrkosten für die Vereine zur Folge, allerdings können durch Konzentration beispielsweise der vorgenannten Tätigkeiten auf den Verband auch Kosten eingespart werden.


Zusammenfassung:
--
Zur Finanzierung und Unterhaltung der Sportanlagen müssen die Vereine selbst die Initiative ergreifen.
Sie organisieren sich in einem Verband zur Wahrnehmung ihrer Interessen und bestimmter, auf den Verband zu übertragenden Aufgaben, z.B. die Finanzierung und Unterhaltung von Sportanlagen.


gez. Jens Leichsenring


Wer möchte, kann über meine Mail-Adresse seine Meinung dazu schreiben.
Ich reiche sie dann weiter.



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